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Schweicheln-Bermbeck. Mein Haus, mein Auto, meine Enkel. Jorunn und Winston Grimes können das wie viele andere Hiddenhausener Bürger sagen. Die Norwegerin und der Farbige aus Barbados leben seit 28 Jahren in Schweicheln. Sie sind sozusagen alteingesessen. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Wenn da nicht ein paar Details aus dem Leben der beiden wären.
Dieser Artikel erschien kürzlich in der "Neuen Westfälischen" auf der Titelseite des Lokalteils für Schweicheln-Bermbeck. Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Dohna. Winston Grimes ist 65 Jahre alt, wirkt wie 45 Jahre und bewegt sich federnd wie ein noch Jüngerer. „Ich war in der Armee vor allem Sportler“, sagt er. Die Armee ist die britische. Mit 19 Jahren trat Grimes ein. Er ist auf Trinidad geboren und in Barbados aufgewachsen und hatte die britische Staatsangehörigkeit. Zu derselben Zeit wuchs die drei Jahre jüngere Jorunn (gesprochen Jurünn) Jaegervann auf einer Insel Sørøya in der Nähe der nord-norwegischen Stadt Hammerfest auf. Sie lernte Verkäuferin und zog der besseren Arbeitsmöglichkeiten wegen in die Hauptstadt Oslo. Winston Grimes zog als Soldat durch die Welt. Er wurde ausgebildet in Wales, war auf Zypern bei den UN-Blauhelmen und in Singapur stationiert, tat Dienst in Iserlohn und Minden. In Minden lernte er eine Familie kennen, die ihm die deutsche Sprache und die deutschen Gepflogenheiten nahe brachte. Sie war auch der Grund, warum Winston Grimes nach dem Ende seines sechsjährigen Militärdienstes in Minden blieb. Der Brite war Mitglied der Skilanglauf-Mannschaft seiner Einheit. Er machte dort die Bekanntschaft eines norwegischen Trainers, der ihn zum Urlaub in seine Heimat einlud. Eines Abends war Tanz und die Norwegerin Jorunn verliebte sich in den Briten Winston. Sie unterhielten sich damals auf Englisch. Heute sprechen sie vor allem Deutsch miteinander, aber auch Englisch und Norwegisch. Jorunn Grimes Mutter erfuhr per Telefon von den Heiratsabsichten ihrer Tochter mit dem Briten. „Sie sagte nur: ,Wir haben alle einen Gott.‘“ Der Vater sei zunächst zurückhaltender gewesen. „Später hat er gesagt, dass Winston sein bester Schwiegersohn sei“, erinnert sich Jorunn Grimes. Jorunn und Winston heirateten in Minden. Eine Wohnung bekamen sie bei einem älteren Lehrerehepaar. „Wir waren damit bei einer Mittelschichtfamilie untergekommen“, erinnert sich Winston Grimes. Hätte das nicht geklappt, wären sie nach Norwegen oder Großbritannien gegangen. Zunächst war es für die beiden nicht einfach, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Winston Grimes begann bei Melitta in der Produktion und Jorunn Grimes in einem Kaufhaus zu arbeiten. Folge der Arbeits- war die Aufenthaltserlaubnis. Winston Grimes bekam die Chance, mit 26 Jahren bei Melitta eine Lehre zum Industriekaufmann zu machen. Anschließend arbeitete er 30 Jahre im Vertrieb bis zu seinem Vorruhestand. Jorunn und Winston bekamen zwischen 1972 und 1987 vier Jungen und vier Mädchen. Alle haben Ausbildungen, Studium und Berufe, das betont er besonders. 1980 zogen sie nach Schweicheln. Die damalige Eigentümerin des Hauses, in dem sie jetzt leben, hatten sie über ihre evangelisch-freikirchliche Gemeinde kennen gelernt. Später kauften sie der Frau das Haus ab. „Sie lebt heute noch bei uns. Ich pflege sie“, sagt Jorunn Grimes. Winston Grimes hat wegen seiner tiefbraunen Haut nie Schwierigkeiten in Deutschland gehabt. „Das hängt auch von der eigenen Einstellung ab“, sagt er. Aber die neugierigen und unsicheren Blicke der Anderen hätten in ihm einen Komplex ausgelöst. Da sei er einmal schick angezogen mit einem Freund unterwegs gewesen. Drei Mädchen seien ihnen begegnet. Sie flüsterten. „Ich dachte schon, sie hätten etwas gegen mich.“ Der Freund habe aber die Worte aufschnappen können. „Sie haben gesagt: ,Was für ein schicker Schwarzer‘.“ Da habe bei ihm ein Umdenken eingesetzt. „Ich bin danach den Menschen positiv begegnet“, sagt er. „Verhalte Dich in Rom wie die Römer“, zitiert er ein britisches Sprichwort. „Man muss sich auch integrieren wollen“, sagt er. Er fühle sich deutscher als so mancher Deutscher. Es sei möglich, als Ausländer in Deutschland ein schönes Leben zu haben. Allerdings haben weder er, seine Frau noch beider Kinder die deutsche Staatsangehörigkeit. „Falls wir aus irgendwelchen Gründen Deutschland verlassen müssten, könnten wir so leichter nach Norwegen oder Großbritannien“, sagt er. Wie sehr er und seine Frau in Deutschland verwurzelt sind, hat er ausgerechnet in Kenia erfahren. „Da haben Deutsche eine Straße gebaut. Auf ihr habe ich mich richtig zu Hause gefühlt“, erinnert sich Winston Grimes.  |